Aus der Praxis
Hausbesorger:innen sind seit der Abschaffung des Hausbesorger-Gesetzes im Jahr 2000 rar geworden und wurden für neue Dienstverhältnisse durch die Berufsgruppe Hausbetreuer:innen ersetzt. Wie geht es den noch verbliebenen Hausbesorger:innen heute?
Einen persönlichen Ein- und Rückblick auf 35 Jahre Berufserfahrung bekommen wir von Petra. Sie ist für eine große Eigentumswohnanlage in Graz zuständig und wir wollten von ihr wissen, was sich im Vergleich zu früher für sie verändert hat.
Die Rolle als Hausbesorgerin hat sich für Petra vor allem im Umgang mit den Bewohner:innen verändert. Petra und ihr Mann wohnen in einer Dienstwohnung direkt in der Wohnanlage und sind seit Beginn ihrer Tätigkeit erste Ansprechpartner für alle Belange des Wohnens. Durch die Besonderheit des Dienstvertrags, 24/7 erreichbar zu sein, ergeben sich Berührungspunkte, die weit über die eigentlichen “Obliegenheiten” hinaus gehen.
Wenn bei der Nachbarin im Erdgeschoß die Zeitung mal länger liegt und ich sie nicht erreiche, rufe ich schon mal ihre Tochter an und erkundige mich, ob alles in Ordnung ist.
Aller Anfang ist schwer, das war für Petra vor allem in Hinblick auf die persönliche Abgrenzung spürbar. Sie war sehr jung, als sie als Haubesorgerin zu arbeiten begonnen hat und die Herausforderung bestand darin, sich gegenüber den meist älteren Bewohner:innen zu behaupten. Hier waren einige Jahre des Vertrauensaufbaus nötig, um die Wertschätzung als Person und Dienstnehmerin zu erfahren.
Kontrolle seitens der Bewohner:innen durch Überprüfung, ob die Fußmatte noch genau am gleichen Platz liegt, waren an der Tagesordnung.
Die Kommunikation ist neben den eigentlichen Themen der Reinigung, Pflege und Instandhaltung eine wichtige Aufgabe und gute Kommunikationstechniken sind die Basis fürs Gelingen. Diese hat Petra im Laufe der Jahre in Schulungen und durch Erfahrungen erlernt, was die Arbeit heute, 35 Jahre später, entscheidend erleichtert.
Auch die Funktion als Bindeglied zwischen den Bewohner:innen und der Hausverwaltung erfordert Fingerspitzengefühl. Die vielfältigen Anregungen, Meinungen und auch Beschwerden der Bewohner:innen gilt es so zu übersetzen, dass am Ende ein sachliches Ergebnis bzw. eine Lösung entstehen kann.
Die Reinigung, Pflege und Instandhaltung fällt Petra durch die Routine leichter als früher. Sie führt als großen Vorteil an, dass ihr Beruf neben den vielen Herausforderungen als Bonus eine Selbständigkeit im Arbeitsablauf gewährleistet. Die Digitalisierung vereinfacht die Übermittlung von Belegen oder Aushängen.
Durch ihr ständiges Bemühen und ihre Umsicht gelangen viele Themen nicht in die Hausverwaltung. Nicht zuletzt genießen die Bewohner:innen den Luxus, ihre Fragen direkt vor Ort mit einer kompetenten Ansprechpartnerin zu erörtern.
Durch die digitalen Erleichterung im Arbeitsalltag aber vor allem durch den langjährigen Beziehungsaufbau habe ich heute wirklich Freude an meinem Hausbesorgerinnen-Dasein.
